Ankunft im Regenwald – zwischen Krabben und Bartschweinen

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Drei Tage im Regenwald liegen vor uns. Drei Tage voller Spannung, Abenteuer und Ungewissheit, was uns erwarten wird. Drei Tage lang geht es in den Bako Nationalpark. Eigentlich wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, dass es drei Tage werden. Eigentlich haben wir nur zwei Übernachtungen gebucht, mit der Option eventuell zu verlängern, wenn es uns gefällt und wenn dann überhaupt noch Zimmer frei sind. Aber von Anfang an.

 

Der Nationalpark liegt bei Kuching auf Borneo. Borneo, diese riesige Insel, die sowohl zu Indonesien, Brunei und Malaysia gehört. Und in letzterem Teil befinden wir uns gerade. Genauer gesagt im Bundesstaat Sarawak. Auf Borneo gibt es endlose Regenwälder, atemberaubende Natur und viele wilde Tiere. Viele Tiere und Pflanzen existieren nur hier und nirgendwo anders auf der Welt. Und einige genau dieser Tiere und Pflanzen kommen im Bako Nationalpark vor.

Daher freuen wir uns schon riesig auf ein paar Tage in dieser tollen Natur. Anfänglich war Borneo für uns ein unbeschriebenes Blatt Papier. Was gibt es hier eigentlich zu sehen und wo? Wir haben nach Informationen gesucht, uns einen Überblick über die verschiedenen Landesteile, Städte und Nationalparks verschafft und herausgefunden, dass der Bako Nationalpark irgendwie zum Pflichtprogramm dazugehört. Auf dem Weg in den Park wissen wir auch warum.

 

Mit dem Boot geht es in den Park

Der Nationalpark ist nur über Boote erreichbar. Und auf der zwanzigminütigen Bootstour den Fluss Tabo entlang Richtung Meer wird uns schnell klar, dass uns im Park einiges erwarten wird. Wir sind mit dem Grab-Taxi aus Kuching zum Bootsanleger gefahren, lösen unsere Tickets für das Boot und den Parkeintritt und schon geht die Fahrt los. Das Wasser ist hellbraun, der Motor des kleinen Boots dröhnt los und uns weht der Wind durch die Haare. Wir sitzen ganz vorne, das Wasser spritzt uns entgegen und außer uns sind nur zwei weitere Passagiere mit an Bord.

 

Die Sonne brennt vom Himmel

Die Landschaft zieht vorbei, erst kleine Holzhütten der Einwohner, dann weite Mangrovenwälder. Als wir uns dem Meer nähern, wird es plötzlich wellig und Wasser schwappt uns entgegen, als wir mit Vollgas durch die Wellenfront fahren. Die Sonne brennt vom Himmel, um uns herum ist herrliche Natur und der endlos weite Blick zum Meer. Rechts von uns erheben sich bewaldete Felsklippen. Es ist atemberaubend schön! Wir sind überglücklich, denn schon jetzt hat sich der Ausflug aus unserer Sicht gelohnt.

Langsam schlägt der Fahrer eine andere Richtung ein und tuckert langsamer werdend Richtung der Felsformationen. Vor uns liegt ein langer und unberührter Strand, auf den wir nun zuhalten. Wir haben im Vorfeld schon gehört, dass man je nach Wasserstand, entweder im Meer aussteigen und zum Strand waten muss, oder aber das Glück hat bis zum Bootsanleger fahren zu können. Wir sind gespannt und haben Glück! Es geht direkt an die steinerne Treppe des Anlegers.

 

Um uns herum die Geräusche des Dschungels

Schnell tragen wir unsere Sachen vom Boot und steigen aus. Hier stehen wir nun, an einer kleinen Flussmündung zum Meer, umgeben von Mangroven und dem beginnenden Regenwald. Es ist schwül und heiß und um uns herum die Geräusche des Dschungels. Winzige Krebse, Winkerkrabben mit einer riesigen Schere auf einer Seite, laufen im Matsch umher. Ein Schild weist den Weg Richtung Headquarter – das kann ja so verkehrt nicht sein!

Also marschieren wir los. Es geht über Holzplanken an kleinen Jungle Lodges vorbei und plötzlich stehen wir vor dem ersten richtigen Bewohner des Parks – einem Bartschwein. Es gräbt gerade die Wiese unter sich um auf der Suche nach Essbarem und schaut uns mit seinen hellen Augen neugierig an. Bartschweine sind eine gefährdete Tierart, leben rund um das Hauptquartier und sind an die wechselnden Besucher im Park gewöhnt.

 

Wir haben erst einmal nur zwei Nächte gebucht

Am Hauptquartier angekommen, registrieren wir uns und legen unser Gepäck in einen kleinen Aufbewahrungsraum. Die Zimmer sind erst nachmittags bezugsfertig und wir bleiben gespannt, was uns erwartet. Die Unterkünfte im Park sollen nicht die tollsten sein, weswegen wir auch erst mal nur für zwei Nächte gebucht haben. Ist unser Zimmer gut, wollen wir verlängern, gefällt es uns gar nicht, würden wir sogar eine Nacht streichen.

Aber nun laufen wir erst einmal das Gelände ab und orientieren uns. Der Bako Nationalpark ist sehr idyllisch und ruhig. Ein riesiger Sandstrand liegt vor dem Hauptquartier, dazwischen Bäume, kleine Wiesen und der beginnende Regenwald. Genau das Richtige, um ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen und etwas Abenteuer in unser Leben zu bringen.

 

Es ist unsagbar heiß

Wir schlendern den Strand entlang und lassen die Weite der Natur auf uns wirken. Es ist wunderschön. Schönheit ist relativ und liegt immer im Auge des Betrachters. Für uns ist es die Unberührtheit, das Wilde des Landes und die Abgeschiedenheit dieses Ortes. Ein Ort um Kraft zu tanken und die Gedanken schweifen zu lassen. Neugierig zu sein auf das, was kommt.

Das sieht allerdings anders aus als erwartet, in Form eines Schweißausbruchs, denn es ist unsagbar heiß. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Lange können wir es in der Sonne nicht aushalten und bleiben an einer der hohen Felswände des Strandes im Schatten sitzen. Auf Borneo ist die Sonne oft sehr intensiv. Es erinnert uns wieder an die Nähe zum Äquator.

 

Die Betten haben ihre besten Jahre schon hinter sich

Wenig später können wir unser Zimmer in einer der Lodges beziehen. Von außen sieht sie aus wie aus einem Abenteuerfilm. Mitten im Regenwald, ein kleines Holzhaus. Steffen steckt den Schlüssel ins Schloss und die Tür in unser neues Heim schwingt auf … tadaa! „Okay“, denken wir uns und treten zögerlich ein. Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet und so freuen wir uns, dass wir zwar eine sehr rustikale Hütte haben, aber mit sehr viel Platz, einem kleinen Kühlschrank und intakten Fliegennetzen vor den Fenstern.

Gut, die Betten haben ihre besten Jahre schon hinter sich, man merkt die Federn und von meinem kullert man irgendwie links herunter, aber hey, für eine Übernachtung im Dschungel ist so was schon akzeptabel. Es riecht nicht nach Schimmel und wir können die Fenster nachts offen lassen! Was will man mehr? Wir schauen aus den kleinen Fenstern unserer Hütte in den Sonnenschein und den grünen Wald. Draußen laufen ein paar Affen vorbei. Und natürlich ein Bartschwein. Wir hören die Geräusche des Waldes – alles ist entspannt und friedlich. Weit Weg von der Hektik der Stadt mit ihren Autos und Menschen.

 

Eine Aussicht wie aus einem Fotobuch

Habt ihr schon mal eine Nacht im Dschungel verbracht? Wir schon und daher freuen wir uns auf den Abend. Aber vorher packen wir aus, lassen uns eine Karte mit den Wanderwegen im Park geben und machen uns auf den Weg, den ersten Trail entlang. Er nennt sich Trail Nr. 1, ist nur 400 Meter lang und super für den Einstieg – dachten wir zumindest. Dass er eine halbe Stunde steil bergauf führt, bei Saunatemperaturen war uns nicht bewusst. Und so klettern wir schnaufend und schwitzend, Felsen um Felsen und bis wir die Spitze erreicht haben. Gut, wenn man vorher weiß, dass der Weg beständig bergauf geht, ist er wahrscheinlich gar nicht so schlimm. Aber dafür, dass wir uns nur mal kurz die Beine vertreten wollten, ist er doch etwas anstrengend.

Was uns dann aber oben erwartet ist einfach toll – eine Aussicht wie aus einem Fotobuch. Wow, es ist so schön hier! Wir atmen die sommerliche Regenwaldluft ein, die ihren ganz speziellen Duft mit sich bringt, und lassen uns am Aussichtspunkt auf der kleinen Bank nieder. Den Blick auf das Meer und auf den Strand, an dem wir vorhin noch waren vor uns. Diesmal aus der Vogelperspektive. Wenn der Bako hier schon so schön ist, sind wir sehr gespannt auf die nächsten Tage. Aber zunächst steht unsere erste Übernachtung an.

 

Das Internet funktioniert nicht

Nachdem wir zurück im Hauptquartier sind, essen wir eine Kleinigkeit in der großen Kantine des Parks. Das Essen ist wirklich lecker und die Preise in Ordnung. Als es dunkel wird, fangen die Frösche an zu quaken und viele Tiere, die wir nicht kennen, erwachen zum Leben. Wir gehen in unsere Lodge zurück und sitzen bei schummrigem Licht auf unseren Betten.

Was machen wir jetzt? Das Internet funktioniert nicht, unser ständiger Zeitvertreib in der Zivilisation, und wir legen die Handys zur Seite. Eigentlich richtig so. Trotzdem fühlt es sich komisch an, nichts zu tun zu haben. Draußen zirpt und quakt es. Es ist noch immer warm und wir lassen die nächtliche Waldluft in unser Zimmer. Diejenigen von euch, die schon einmal im Dschungel übernachtet haben, kennen wahrscheinlich diese ganz besondere Atmosphäre, die eintritt, sobald die Sonne untergegangen ist.

 

Der ganze Wald erwacht zum Leben

Es ist tiefschwarz und stockdunkel draußen, es gibt kein Licht weit und breit außer unserer kleinen Wegbeleuchtung zum Hauptquartier und den Mond. Der ganze Wald erwacht zum Leben und die Geräuschkulisse ist laut und durchdringend. Es sind schöne Geräusche, die das Herz zur Ruhe kommen lassen. Geräusche, die etwas tief in uns ansprechen und die entspannender sind als Musik.

Es ist das Natürliche, das Ursprüngliche, das Leben selbst. Es ist noch früh am Abend und es bleibt nicht viel zu tun. Wir schließen die Augen und lauschen nach draußen. Jeder von seinem eigenen Bett aus, denn Doppelbetten gibt es hier nicht. Und so lauschen wir jeder für sich in die tiefe Nacht hinein und schlafen langsam ein. Denn morgen wartet ein Tag voller neuer Eindrücke auf uns.

 

Warst du schon einmal selbst in einem Nationalpark auf Borneo? Was würdest du gerne auf Borneo erleben? Erzähle uns in den Kommentaren gerne von deinen Erlebnissen oder Plänen, um andere zu inspirieren.

 


Wenn du Informationen zum Bako Nationalpark sucht, schau dir unseren dazu Beitrag an
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► Der Bako Nationalpark – alle Infos für dein Abenteuer

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Farina

Frühaufsteherin, Sonnenanbeterin und Weltenbummlerin. Ich fühle mich in der Natur zu Hause, liebe die Tiere und das Meer. Hier findest du mich mit einem Buch in der Hand, mit einer Kokosnuss oder gleich mit beidem. Zu meinen Leidenschaften gehören, das Reisen, gesundes Essen und fremde Orte. Ich liebe die Abwechslung, das Unterwegssein und die Veränderung. Hiervon findest du einiges auf unserem Blog.

1 Comment

  1. Antworten

    Martina

    30. Januar 2019

    Hallo ihr Beiden!
    Wieder ein wirklich toller Bericht. Ich war vor vielen Jahren mit meiner Mutter auf einer Karibik Kreuzfahrt. Ja, ich weiß. Keinerlei Vergleich mit euren tollen Reisen. Aber ich werde nie die Geräuschkulisse vergessen wie wir in der Nacht am Panama Kanal gefahren sind – und auf Costa Rica, als wir durch den Dschungel spaziert sind.
    Ich gebs zu, ich beneide euch richtig – diese Eindrücke sind bestimmt unvergesslich.
    Liebe Gruß, Martina

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