Der Kinabalu Nationalpark – wandern mit Blutegel

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Und hier sitze ich nun im Café des Kinabalu Nationalparks. Hinter mir eine laut lärmende, australische Reisegruppe, neben mir laut schmatzende Malaysier, die kräftig am Buffet zugelangt haben. Mit den Fingern essen ist hier auf Borneo durchaus üblich und so schieben die Drei sich ihr fettiges Essen tief über den Teller gebeugt in den Mund. Zwischendurch werden die Finger abgeleckt, laut schmatzend versteht sich.

 

Heute Morgen sind wir aufgebrochen, um die Wanderwege im Park zu besuchen

Mir ist etwas langweilig. Ich warte auf Steffen. Heute Morgen sind wir zusammen aufgebrochen, um die verschiedenen Wanderwege im Park zu erkunden. Hierauf hatten wir uns beide gefreut. Jedenfalls, bis mir auf dem ersten Weg etwa auf Halbzeit ein Blutegel am Schuh hochklettern wollte. Danach hat sich nur noch Steffen gefreut.

Ich schrecke aus meinen Gedanken hoch, die Australier neben mir sind einfach zu laut. Aber jetzt müssen sie wohl aufbrechen. Lärmend und kreischend erhebt sich die Gruppe und einer nach dem anderen verlässt laut grölend das Café. Endlich Ruhe. Nun wird es friedlich und mit der Aussicht über die Berge des Nationalparks wartet es sich im Grunde auch ganz gut.

Gerade räumt ein Kellner den Tisch der Australier ab. Laut niesend fällt ihm die Hälfte der Flaschen auf den Boden. Mit einem weiteren Niesanfall verschwinden auch die verbliebenen Flaschen vom Tablett auf dem Boden. Was für ein lustiger Tag heute, zumindest wird mir heute einiges an Unterhaltung geboten.

 

Blutegel auf den Wegen

Aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja, beim Wandern, bei Steffen und bei den Blutegeln. Steffen liebt das Wandern und lässt sich auch durch keinen noch so hartnäckigen Blutsauger davon abhalten. Normalerweise fragen wir auf Borneo immer vorher, ob es Blutegel auf den Wegen gibt. Wir haben schon einige spannende Geschichten von Wanderern gehört, die auf einem der vielen Wanderwege auf Borneo Opfer von Blutegelattacken geworden sind.

Da wir nicht in dieselbe Falle laufen wollten, haben wir uns bisher immer im Vorfeld informiert. Heute haben wir leider nur nach dem schönsten Wanderweg gefragt und vor lauter Euphorie die wichtigste aller Fragen vergessen. Das haben wir nun davon. Alle paar Meter sind wir stehen geblieben, um wieder einen der unliebsamen Begleiter vom Schuh zu schnippen. Ein Miniexemplar hat es sogar bis auf Steffens Hose geschafft. Die Biester übersieht man leicht. Sie sind klein, sie sind schnell und fallen zwischen dem ganzen Lehm und Schmutz an den Schuhen kaum auf.

Haben sie sich einmal festgesaugt, zieht man sie am besten mit den Fingern wieder ab. Igitt! Hat man die kleinen Gesellen einmal gesehen, wie sie sich ganz lang nach oben strecken, um den richtigen Weg zu finden, möchte man keine Bekanntschaft mehr mit ihnen machen. Ich jedenfalls nicht! Die kleine Wunde blutet anschließend noch ziemlich lange weiter. So bin ich froh, nun hier im Café sitzen zu dürfen.

 

Der Kinabalu Nationalpark ist schön, der Aufstieg auf den Mount Kinabalu teuer

Der Kinabalu Nationalpark ist ein wirklich hübscher Park, der sich um den Mount Kinabalu, den höchsten Berg Malaysias, zieht und ihn mit einschließt. Hier gibt es Wanderwege durch den Regenwald und die Natur ist sehr schön. Allerdings ist es ziemlich teuer, wenn man auf den Mount Kinabalu selbst hinauf möchte. Ein wenig enttäuscht sind wir schon, da wir gerne den Aufstieg gemacht hätten. Die Busfahrt hierhin war sehr lang, aber wir wollten uns den Rest des Nationalparks unbedingt ansehen.

Dass die Bergbesteigung sehr teuer ist, wussten wir schon vorher. Und dass der Rest des Nationalparks nett, aber nicht ganz so spektakulär wie in den anderen Nationalparks ist, die wir bereits besucht haben, haben wir erst heute bei unserer Wanderung erfahren. Trotzdem ist die Natur wunderschön und eine Wanderung durch den hübschen Regenwald lohnt sich. Um nur die Wanderwege zu laufen, ist die Strecke von Kota Kinabalu bis hierher allerdings schon etwas weit und wir würden die Fahrt nicht unbedingt empfehlen, wenn man bereits andere Nationalparks auf Borneo besucht hat und den Mount Kinabalu nicht besteigen möchte. Sonst gefällt er uns aber gut.

 

Unser Hotel liegt eine kurze Fahrt vom Parkeingang entfernt

Wir sind in einer dreistündigen Fahrt von Kota Kinabalu, oder KK wie es die Einheimischen in Anlehnung an das KL von Kuala Lumpur gerne nennen, bis nach Kundasang gefahren. Kundasang ist ein kleines Bergdorf nahe dem Parkeingang. Da wir uns nicht auskannten, dachten wir bei unserer Onlinebuchung, dass es der optimale Startpunkt in den Nationalpark ist. Nicht so teuer wie die Nationalparkunterkünfte selbst, aber doch nah genug. Damit hatten wir eigentlich auch recht, nur worüber wir nicht nachgedacht haben, war wie wir von unserem Hotel ohne Auto bis zum Parkeingang kommen sollen.

Unser Hotel liegt eine kurze Fahrt mit dem Auto außerhalb im Berghang. Zum Laufen ist es definitiv zu weit und Taxiapps wie Uber oder Grab funktionieren hier nicht. Ein kleiner Bus fährt zwar durch Kundasang, aber in der Nähe unseres Hotels hält er nicht. Zum Glück ist der Besitzer unseres Hotels wirklich nett und so fahren uns seine Angestellten morgens kostenlos zum Parkeingang und holen uns später wieder ab.

 

Wir müssen uns im Parkoffice registrieren und wandern los

So kommen wir am Parkoffice an. Hier müssen wir uns registrieren und bekommen eine Karte für die Wanderwege des Parks. Es gibt auch einen kleinen botanischen Garten, in dem man an Führungen teilnehmen kann. Der Ausblick vom Parkeingang ist toll, es gibt eine kleine Terrasse, von der aus wir ins Tal blicken können und auf der anderen Seite der Blick in die grüne Natur und die Berge. Wir entscheiden uns gleich für den ersten Weg, der ein paar Meter die Straße hinunter beginnt, und wandern los.

Nach einem etwas rutschigen und matschigen Aufstieg begegnen uns zwei kleine Papageien, quietschgrün und laut trällernd. Gespannt bleiben wir stehen und lauschen. Einige Meter weiter laufen wir in eine kleine Wandergruppe. Die älteren Herrschaften sind nicht sehr gut ausgerüstet und in Turnschuhen auf dem matschigen Boden ist es eine rutschige Angelegenheit. Kurz halten wir bei der Gruppe an. Sie zeigen uns ein Foto, auf dem mehrere Käfer zu sehen sind. Schwarz und rot und länglich gepanzert kommen sie daher.

Später erfahren wir, dass es sehr seltene Trilobitenkäfer sind. Sie sehen aus wie die namensgebenden Trilobiten, die mittlerweile fossilen Meeresbewohner der Urzeit. Das faszinierende an Trilobiten Käfern ist, dass man nicht all zu viel über sie weiß. Was sie fressen zum Beispiel war lange Zeit ein Geheimnis. Lange wusste man auch überhaupt nicht, wie die Männchen aussehen. Diese sind nämlich klein und schwarz und sehen äußerlich ganz anders aus, als die hübschen Weibchen. Einen kurzen Fußmarsch später finden wir die Käfer auf einem Baumstumpf sitzen. Wir hatten schon etwas Angst, sie zu verpassen. Und nun sind wir ganz begeistert.

 

Blutegel leben im Matsch und warten

So hänge ich nun den Gedanken unserer morgendlichen Wanderung nach. Es hat in den letzten Tagen immer mal kurz geregnet und so war unser Weg noch etwas matschig. Und unsere Begeisterung über die Trilobitenkäfer hat schlagartig nachgelassen, als ich wenig später auf dem Weg einen Blick auf meinen Schuh warf und dort einen der vorhin erwähnten Blutegel entdeckte. Blutegel lieben Matsch und sitzen dort mucksmäuschenstill auf dem Weg, bis ein Tier oder ein argloser Wanderer vorbeikommt und dann schwupp klettern sie über seine Schuhe, bis sie ein schönes, warmes Plätzchen auf seinem Körper gefunden haben.

Bis auf ein paar matschige Stellen den Berg hinauf war der Weg durch den Regenwald sehr schön, wir sind einen tollen Naturpfad gelaufen und der Blick in die umgebende Baumlandschaft des Regenwalds strahlte Ruhe und Frieden und ein bisschen Heiterkeit aus. Besonders als dann noch Nebel aufzog, hatte der Wald eine ganz besondere mystische Stimmung. Als sich jedoch der erste Blutegel bemerkbar machte, war es mit Ruhe, Frieden und Heiterkeit vorbei.

 

Die kleinen Vampire lieben Blut

Nun ja, jedenfalls für mich. Herr Blutegel kletterte nämlich heiter auf meinem Wanderschuh herum. Vor lauter Schreck sprang ich laut schreiend zur Seite – keine nennenswerte Störung für den kleinen Blutsauger, der fröhlich weiter über meinen Schuh spazierte. Immer höher Richtung Bein. Er ließ sich erst abschütteln, nachdem ich ihn panisch im Kreis hüpfend mit meinem zweiten Fuß abstreifen konnte.

Von da an war Konzentration angesagt, denn aus allen möglichen Richtungen kamen auf einmal Blutegel zum Vorschein. Winzig klein und kaum zu sehen, oder etwas größer und lautlos vor sich hin kriechend. Allen gemein war, dass sie sich in unsere Richtung bewegten. Blutegel stehen nämlich total auf Wärme und frisches Blut, kein Wunder, müssen die kleinen Vampire doch wochen- und monatelang ohne auskommen. Und wenn man einmal nicht aufmerksam ist, hat man schon wieder einen Blutegel am Schuh, der munter drauflosrobbt und kaum abzuschütteln ist.

 

Steffen kommt von seiner Wanderung wieder

Während ich im Café sitze, schüttelt es mich noch jetzt bei dem Gedanken. Mittlerweile ist es kurz vor 17 Uhr, Steffen müsste bald von seiner Wanderung zurückkommen. Wir haben uns auf dem Weg getrennt. Ich hatte keine Lust mehr auf eine weitere Wanderung und bin über die Straße zum Park Café gelaufen, Steffen hat den Wanderweg genommen. Also bezahle ich und mache mich aus dem nun menschenleeren Restaurant auf nach draußen. Ich laufe noch ein- bis zweimal auf dem Gelände der Parkaufsicht hin und her und da sehe ich ihn auch schon von Weitem auf mich zukommen. Nass geschwitzt und glücklich.

„Und?“, frage ich. „Wie war’s?“ „War gut!“, meint er strahlend, „Keine Blutegel. Du hättest also ruhig mitkommen können!“ Wir müssen beide lachen. Aber ganz im Ernst – in einen Wald, der vor lauter Blutegeln wimmelt, bekommen mich keine zehn Pferde mehr. So lassen wir uns von einem Mitarbeiter unseres Hotels abholen.

Zurück am Hotel sind wir glücklich, über eine warme Dusche, unser weiches Bett und unsere schöne Aussicht auf den Mount Kinabalu und die umliegenden Berge. Als wir später erfahren, dass es hier in den Bergen überall Blutegel gibt, sie zuhauf auftreten und jeder schon Erfahrungen mit ihnen gesammelt hat, haben wir beide keine Lust mehr auf Wandern. So lassen wir den Tag ausklingen und beschließen am nächsten Morgen den Kinabalu Nationalpark wieder zu verlassen.

 

Warst du schon einmal im Kinabalu Nationalpark? Hast du schon Erfahrungen mit Blutegeln gemacht? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

 


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Farina

Frühaufsteherin, Sonnenanbeterin und Weltenbummlerin. Ich fühle mich in der Natur zu Hause, liebe die Tiere und das Meer. Hier findest du mich mit einem Buch in der Hand, mit einer Kokosnuss oder gleich mit beidem. Zu meinen Leidenschaften gehören, das Reisen, gesundes Essen und fremde Orte. Ich liebe die Abwechslung, das Unterwegssein und die Veränderung. Hiervon findest du einiges auf unserem Blog.

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