Hüttentour im Berchtesgadener Land – Aufstieg zur Wasseralm

Das Berchtesgadener Land mit seinem Königssee gehört mit zu den schönsten Regionen in Deutschland und lässt jedes Wandererherz höher schlagen. Und so ist auch unser Ausflug nach Berchtesgaden und das erste Ziel unserer Hüttentour, die Wasseralm, etwas ganz Besonderes.

Wir sind für einige Tage hierhergekommen, um durch die Berchtesgadener Alpen zu wandern und unterwegs auf den Berghütten zu schlafen. Wandern waren wir hier noch nie. Und so sitzen wir abends in unserer kleinen Ferienwohnung, packen unsere Rucksäcke grob zusammen, damit wir morgen früh loskommen, und gehen unsere geplante Route noch einmal durch.

Die Übernachtung auf der ersten Hütte, der Wasseralm, haben wir schon im Voraus gebucht. Wir freuen uns auf den nächsten Tag und auf den Start zu unserer Wandertour. Spontan haben wir mir heute einen neuen Wanderrucksack* gekauft, da mein alter zu groß für die Tour ist. Der Wetterbericht sieht leider nicht ganz so gut für die nächsten Tage aus, Regen ist angesagt. Klar, etwas schade ist das schon, aufhalten lassen wir uns hiervon aber trotzdem nicht.

 

Der Königssee liegt still vor uns

Am nächsten Morgen geht es früh los. Wir frühstücken, packen die letzten Sachen und unseren Proviant zusammen und machen uns auf den Weg. Das Wetter hält sich. Es ist ein wenig bewölkt aber freundlich und so fahren wir mit dem Auto los.

Unser Halt ist der Königssee, der so früh am Morgen still und wunderschön vor uns liegt. Den Wagen haben wir am Parkplatz abgestellt, wo er die nächsten Tage auf uns warten wird. Wir lösen eine Fahrkarte für das Boot, das uns zur anderen Seite des Sees und dem Start unserer Wanderung bringt.

Kalte Luft weht uns ins Gesicht, während wir über die glatte Wasseroberfläche auf die fjordähnliche Landschaft schauen. Die hohen Berge der Alpen umgeben das Ufer und neben uns ragt der Watzmann empor, einer der höchsten Berge Deutschlands. Seine Spitze ist schneebedeckt, ein atemberaubender Anblick und ein Motiv für Postkarten.

Sprachlos blicken wir auf die wunderschöne Bergkulisse. Ja, auch Deutschland hat tolle Ecken und besitzt einmalige Landschaften. Der Bootsmann spielt ein Lied auf seinem Flügelhorn und die Felswand wirft das Echo wieder zu uns zurück. Unser erstes Ziel für die Übernachtung heute ist die Wasseralm. Ein schöner Name.

Die Wasseralm soll eine hübsche und sehr kleine Hütte sein, die hoch über den Hängen des Obersees liegt zwischen den Teufelshörnern und dem Funtenseetauern im Übergang vom Hagengebirge zum Steinernen Meer. Wenn der Name hält was er verspricht, wartet auf uns ein idyllisches, kleines Häuschen.

 

An der Wallfahrtskapelle Sankt Bartholomä hält unser Boot

Ich habe noch nie auf einer Hütte geschlafen. Das Bild, das ich im Kopf habe, sind enge Zimmer voller Etagenbetten, schnarchende Männer und die Luft riecht nach Käsefüßen und kalter Flatulenz. Okay, kalter Furz ist wohl geläufiger und vielleicht etwas übertrieben, aber jeder weiß sicher, was ich meine. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen.

Auf jeden Fall freue ich mich auf das Erlebnis, abends in einer Hütte auf den Bergen zu sitzen. Das Dunkel der Nacht um uns herum, über uns die Sterne und die Zivilisation weit weg. Als das Boot an der Kirche Sankt Bartholomä anlegt, werden wir aus unseren Gedanken gerissen.

Die Wallfahrtskapelle Sankt Bartholomä liegt am Westufer des Königssees auf der Halbinsel Hirschau. Sie ist das Wahrzeichen der Region und auf vielen Gemälden verewigt. Auch wir kennen sie von vielen Bildern und Fotos. Teile der Kirche stammen noch aus dem 12. Jahrhundert und jedes Jahr ist sie ein beliebtes Ausflugsziel für Tausende Touristen.

 

Von Salet aus erreichen wir den Obersee

Die meisten Touristen verlassen in Sankt Bartholomä das Boot. Wir allerdings bleiben und fahren weiter bis zur Anlegestelle Salet am anderen Ende des Königssees. Von hier führt ein Weg zum Obersee, hinter dem der Aufstieg in die Berge beginnt. Der Königssee gilt der Wasserqualität nach als einer der saubersten Seen Deutschlands und er wird vom Obersee gespeist. Am kleinen Anleger hält das Boot und wir steigen mit unseren Rucksäcken von Bord.

Waren vorhin noch viele Touristen unterwegs ist es hier relativ ruhig. Die Natur umgibt uns und ein Hinweisschild weist uns den Weg zum Obersee. Wir laufen dem ausgeschilderten Wanderweg hinterher und kommen zum Obersee, der einen Katzensprung hinter dem Königssee liegt. Steffen holt seine leere Wasserflasche heraus und füllt sie mit dem klaren Wasser des Obersees auf.

„Kann man das einfach so trinken?“, frage ich. „Warum nicht?“, meint er. Sicher bin ich mir auch bei einem der saubersten Seen Deutschlands nicht. Wieder einmal fällt mir auf, wie weit weg wir zivilisierten Menschen gefühlt von der Natur sind. Meine Angst vor Bakterien und Keimen überwiegt und so lasse ich Steffen seine Flasche alleine leer trinken.

Wir passieren den See und feuchte, kühle Luft schlägt uns entgegen. Das Wetter scheint umzuschwingen. Der Weg führt durch das Grün des bewaldeten Ufers, die Stille die uns umgibt ist traumhaft.

 

Die Fischunkelalm – letzter Halt vor dem Aufstieg zur Wasseralm

Am Ende des Obersees liegt die Fischunkelalm, und mit ihr unser letzter Halt, bevor es auf in die Berge geht. Es Beginnt leicht zu tröpfeln, als wir die Alm passieren. Wir laufen weiter, so schlimm kann es schon nicht werden und ein bisschen Regen hat noch niemandem geschadet, denke ich mir.

Wie falsch ich damit liege, wird mir später beim Aufstieg noch klar werden. Zunächst jedoch überqueren wir die große Lichtung hinter dem Gebäude der Fischunkelalm und stoßen auf die ersten Bäume die hier ins Tal hineinreichen. Die Landschaft wirkt mit dem grünen Gras der Alm und den lichten Bäumen vor dem hohen Bergmassiv vor uns karg, aber wunderschön.

 

Der Regen wird stärker

Der Weg geht steil bergauf, zum Glück haben wir unsere Wanderstöcke* dabei. Immer wieder drehen wir uns um schauen auf das Panorama des Königssees zurück. Als der Regen immer stärker wird, packen wir unsere Regenjacken* und den Regenschutz für den Rucksack aus. Unsere Regenschirme* können wir leider nicht nutzen, da wir sonst ständig an den herabhängenden Ästen hängen bleichen würden. Wir fragen uns, ob es wirklich eine gute Idee ist, bei diesem Wetter aufzubrechen. Denn es gibt schöneres als bei starkem Regen zu wandern und bis auf die Knochen nass zu werden.

Da es die nächsten Tage jedoch nicht schöner werden soll und der Regen sich noch in Grenzen hält, entschließen wir uns, trotzdem weiterzugehen. Eine Entscheidung, die uns ein paar Meter weiter einholt als wir den Berg emporsteigen.

 

Wir sind komplett durchnässt

Der bewaldete Weg geht in Serpentinen zwischen Bäumen, Wurzeln und Felsen steil bergauf. Ein gutes Sportprogramm, das wir hier heute gleich zu Beginn absolvieren. Auf dem nassen Grund ist es manchmal mehr Klettern als Wandern. Und mit zunehmenden Regen kommt uns immer mehr Wasser von den Hängen entgegengelaufen.

Teilweise ist der Weg so überspült, dass uns das Wasser in kleinen Strömen von oben in die Schuhe läuft. Aus vielen kleinen Wasserläufen sprudelt es in Wasserfälle an uns vorbei in die Tiefe. Wandern in den Alpen habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Mittlerweile sind nicht nur meine Füße trotz hoher Wanderschuhe* nass, sondern das Wasser läuft auch in die Ärmel, in den Nacken und über das Gesicht. Die Hose ist vom Klettern in den kleinen Wasserläufen eh schon durchnässt.

 

Zwei Wege führen auf die Wasseralm

Nachdem es eine ganze Zeit lang nur steil bergauf ging, kommen wir an eine Abzweigung. Beide Wege führen zur Wasseralm. Der eine geht noch steiler den Berg hinauf, dafür ist er aber kürzer. Der andere ist ein Umweg, dafür einfacher zu laufen. Wir entscheiden uns für den Umweg, denn als wir die Abzweigung zum kürzeren Weg sehen, sieht dieser bei der Wetterlage zu gefährlich aus. In dem Schmuddelwetter wollen wir nicht Gefahr laufen, irgendwo abzurutschen.

 

Es ist kalt und nebelig

Irgendwann kommt ein Punkt, an dem wir beide keine Lust mehr haben – alles ist nass, uns ist kalt und mir tun die Beine weh. Natürlich neige ich dazu, meinen Unmut auch kundzutun. Und so nörgele ich vor mich hin und frage wie weit es denn jetzt noch zur Wasseralm ist, während Steffen stillschweigend über meine Meckerei grinst. Gut, ganz ernst zu nehmen ist es auch nicht. Und als wir die letzten Schritte des Aufstiegs nach oben machen, grinsen wir beide.

Oben angekommen stehen wir plötzlich im Nebel. Vielleicht sind es aber auch Wolken. Es ist eine Mischung aus Nieselregen und weißem Dunst, der in der feuchten Luft steht. Alles ist nass, einschließlich uns. Nach dem Regen ist es eh egal, ob es regnet oder nicht, und wir lassen uns die Laune nicht verderben. Allerdings ist es mittlerweile schon ziemlich kalt und ungemütlich in den nassen Klamotten. Und es wird dunkler. Wir laufen weiter. Irgendwo muss sie ja sein, diese Wasseralm.

 

Die Wasseralm liegt direkt vor uns

Nach einiger Zeit zeigt uns ein Hinweisschild den Weg und gibt uns neue Motivation. Weit kann es jetzt wohl nicht mehr sein, höchstens eine halbe Stunde und die schaffen wir auch noch. Und so folgen wir den Weg ein paar Meter und bleiben wie angewurzelt stehen – die Wasseralm liegt direkt vor uns! Nur noch ein paar Meter zu gehen. Ohne es zu merken, sind wir schon längst angekommen und durch den weißen Nebel konnten wir es nicht erkennen.

Unser Strahlen im Gesicht ist kaum noch zu übertreffen. Scherzend und lachend laufen wir im Dauerlauf durch den nun wieder strömenden Regen und kommen an dem Holzhaus an. Vor der Tür sitzen ein paar Wanderer unter dem Vordach des Hauses, die uns erstaunt ansehen. Mit guter Laune bei dem Wetter hat wohl niemand gerechnet, zumal wir die letzten Wanderer für heute sind, die weit später als alle anderen froh gelaunt durch den Regen angerannt kommen.

 

Wir ziehen die feuchten Anziehsachen aus

Die Wasseralm ist ein kleines Holzhaus und schmiegt sich in eine grüne Alm zwischen Bäumen und Bergen. Hier gibt es Betten und Verpflegung. Ein neueres Haus befindet sich einige Meter weiter, dort sind die Toiletten, Waschmöglichkeiten und ein Trockenraum untergebracht.

Wir lassen uns unsere Betten zeigen. Der Raum ist dunkel und eng und einige Wanderer schlafen bereits. Die Betten sind Etagenbetten und es gibt eine Treppe auf einen umlaufenden Balkon mit weiteren Betten. Wir nehmen unsere Sachen und gehen in den Trockenraum. Hier sortieren wir unser ganzes Gepäck aus und ziehen die nassen, Schuhe, Socken* und restlichen Anziehsachen aus, bevor wir in unsere trockenen Sachen wechseln.

Langsam wird mir wieder warm. Dick eingemummelt gehen wir zurück zur Hütte, nachdem wir alles zum Trocknen aufgehängt haben. Wir holen uns etwas zu trinken und zu essen. Es gibt Eintopf und wir setzen uns drinnen an einen der Tische. Bis auf zwei Frauen sind wir hier alleine, bei dem Wetter ziehen es die meisten vor, früh ins Bett zu gehen. Draußen ist es dunkel und wir auch ganz schön müde. Das ist also unser erster Abend in einer Berghütte.

 

Übernachten auf der Hütte

Wir wollen uns noch die Zähne putzen und so müssen wir wieder durch den Regen ins andere Gebäude. Ich mag nicht und Steffen auch nicht. Trotzdem nehmen wir uns zusammen und laufen durchs nasse Dunkel. Zurück in der Hütte gehen wir in den Schlafraum.

Warme, stickige Luft und Schnarchen kommt uns entgegen. Aber damit haben wir ja gerechnet. Ich ziehe meine Ohrstöpsel aus der Tasche und wir beide klettern in unsere Betten. Da wir die Letzten sind, haben wir kein Bett zusammen bekommen, sondern sind zwei Reihen auseinander. Aber was solls? Viel Schlaf werde ich hier sowieso nicht finden.

In dem Raum ist es nicht vollständig dunkel, ein leuchtendes Schild für den Rettungsweg hängt gegenüber vom Kopfende meines Bettes. Die meisten anderen schlafen bereits und es ist, abgesehen vom Schnarchen, recht ruhig. Ich schaue mir die Bettreihen an und Blicke auf den umlaufenden Balkon. Ganz schön viele Menschen passen in dieses kleine Haus, denke ich noch, bevor ich mich hinlege und einschlafe.

 

Hast du schon einmal eine Hüttenwanderung unternommen? Wie waren deine Erfahrungen? Lass uns daran teilhaben und schreibe uns in die Kommentare!

 

Wie es weitergeht auf unserer Hüttentour erfährst du im nächsten Beitrag:


► Hüttentour in den Alpen – zwischen Wasseralm und Kärlingerhaus

 


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Farina

Frühaufsteherin, Sonnenanbeterin und Weltenbummlerin. Ich fühle mich in der Natur zu Hause, liebe die Tiere und das Meer. Hier findest du mich mit einem Buch in der Hand, mit einer Kokosnuss oder gleich mit beidem. Zu meinen Leidenschaften gehören, das Reisen, gesundes Essen und fremde Orte. Ich liebe die Abwechslung, das Unterwegssein und die Veränderung. Hiervon findest du einiges auf unserem Blog.

8 Comments

  1. Antworten

    Franziska

    28. November 2018

    Da bekomme ich gleich richtig Heimweh. Ich bin in den bayrischen Alpen aufgewachsen. Die Berge sind unheimlich faszinierend für mich. Es ist unglaublich wie schnell das Wetter da Oben umschlagen und Lebensgefährlich werden kann. In einer Berghütte mit einem Gemeinschaftsschlafraum habe ich jetzt noch nie übernachtet, dafür aber schon öfter in kleinen Privaten Hütten, die man komplett anmieten konnte. Die haben dafür meistens nur sehr sporadisch Strom und fliesend Wasser.

    • Steffen

      2. Dezember 2018

      Hallo Franziska.
      Mir geht es genauso. Die Berge faszinieren mich total, auch wenn ich nicht in den Alpen aufgewachsen bin. Ich stelle es mir auch super gemütlich vor auf einer kleinen Hütte in den Bergen. Das könnten wir uns auch gut vorstellen.
      Liebe Grüße, Steffen

  2. Antworten

    Tina

    29. November 2018

    Sehr schöne Bilder! Ich liebe solche Seen, die haben so eine idyllische Atmosphäre. Die Übernachtung in der Hütte finde ich ziemlich lässig. Diese Hütten haben auch immer eine ganz spezielle Stimmung und sind perfekt für solche Touren.

    • Steffen

      2. Dezember 2018

      Ja das finde ich auch. Auf Berghütten ist die Stimmung immer sehr schön und inmitten der Berge übernachten zu können ist sowieso was tolles.
      Liebe Grüße, Steffen

  3. Antworten

    Bettina Halbach

    30. November 2018

    😊 so schön ist Deutschland… Gerne habe ich euren Reisebericht gelesen, besonders gut gefallen mir wie immer die Naturfotos – man bekommt Lust, das auch Live zu erleben, Liebe Grüße Bettina

    • Steffen

      2. Dezember 2018

      Hallo Bettina,
      Vielen lieben Dank. Vor Ort sieht das auch noch einmal schöner aus als auf den Fotos und wir haben uns auch total in die Landschaft der Berchtesgadener Alpen verliebt. Hinfahren lohnt sich.
      Liebe Grüße, Steffen

  4. Antworten

    Denise

    30. November 2018

    Deutschland hat echt schöne Ecken 🙂 eine Hütten Wanderung haben wir noch nicht gemacht, aber sind gerade dabei uns die richtige Ausrüstung zuzulegen. Danke fur den tollen Tipp 🙂
    LG Denise

    • Steffen

      2. Dezember 2018

      Hallo Denise
      eine Hüttentour ist wirklich super, können wir nur jedem empfehlen der Spaß am Wandern hat und gerne in den Bergen ist.
      Liebe Grüße, Steffen

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