Das World´s End – angekommen am Ende der Welt

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Wer ans Ende der Welt möchte, muss früh aufstehen. Es ist 5:00 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Zu früh … Heute wollen wir in den Horton Plains Nationalpark fahren und das World´s End besuchen. Draußen ist es noch dunkel und eisig kalt in unserem Zimmer. Trotz Bettdecken haben wir die Nacht gefroren. Da fällt es nun noch schwerer, unter den warmen Decken hervorzukrabbeln und aufzustehen. Wir bleiben noch ein paar Minuten liegen, aber dann wird es Zeit. Oh Gott ist das kalt! Ein Bein aus dem Bett und das zweite hinterher stehen wir schnell auf, gehen ins Bad und ziehen uns mit Jacken und allem, was wir an Winterausstattung dabei haben, an.

Wir bekommen unser Lunchpaket für den Tag

Eigentlich ist es sehr warm auf Sri Lanka, aber in den Bergen kann es nachts schon verdammt frostig werden. So wie hier in Ohiya. Wir packen unsere Rucksäcke für den Tag, nehmen unser Lunchpaket vom Hotelleiter entgegen, ziehen die Handschuhe an und warten auf unser Tuk-Tuk zum Nationalpark. Um 5:45 Uhr sollte es kommen, damit wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf dem Weg zum World’s End sind, der Hauptattraktion des Horton Plains Nationalparks. Der Horton Plains Nationalpark ist ein riesiges Naturschutzgebiet im Herzen Sri Lankas und eine etwa 20-minütige Fahrt von unserem Hotel entfernt.

Im Park gibt es mehrere Sehenswürdigkeiten. Hierzu gehören das World’s End und das Mini World’s End, zwei mehrere Hundert Meter abfallende Felsklippen mit überragender Aussicht über das zentrale Bergland von Sri Lanka. Außerdem soll die Natur drum herum ein Erlebnis sein. Wir freuen uns schon sehr! Wandern, Natur und Berge – das alles ist genau unsers. Nur noch das Tuk-Tuk muss rechtzeitig kommen, das lässt nämlich auf sich warten. Wahrscheinlich fällt es dem Fahrer genauso schwer wie uns, morgens bei der Kälte aufzustehen.

 

Wir sind vom Sonnenaufgang überwältigt

Doch da hören wir auch schon ein Rumpeln und ein Knattern die kleine, unbefestigte Straße entlangkommen. Schnell sitzen wir im Tuk-Tuk und lassen uns den kalten Fahrtwind um die Nase wehen. Die Dämmerung setzt langsam ein und taucht die Umgebung in ein morgendliches Grau. Am Himmel erkennt man schon die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne. Es ist wunderschön! Für solche Augenblicke lieben wir Sri Lanka. Eine Reise durch Sri Lanka ist manchmal anstrengend und fordernd, aber wenn man sich auf das Land einlässt, wird man mit einer Natur belohnt, die ursprünglich und atemberaubend ist. Und mit Naturerlebnissen, die einfach ihren ganz eigenen Charme haben.

Nach einer anfangs holprigen Fahrt macht unser Fahrer an einer Wegbiegung halt und lässt uns aussteigen. Die Sonne geht gerade auf – es ist traumhaft! Vor der schwarzen Kulisse der Berge und Bäume leuchtet es in Blau, Rot, Orange und Gelb. Wie gebannt schauen wir uns den Sonnenaufgang an und sind überwältigt. So schön kann es in den Bergen sein.

 

Unser Mikrofon darf nicht mit in den Horton Plains Nationalpark

Wir setzen uns wieder ins Tuk-Tuk und fahren weiter zum Ticketschalter des Parks. Hier angekommen sind wir mit die Ersten. Um 6 Uhr öffnet der Park. Wir sind kurze Zeit später da, bezahlen unsere Eintrittskarten und bekommen die wohl größte Quittung, die wir in unserem Leben jemals gesehen haben. Eine DIN-A4 Seite ist nichts dagegen. Der Ticketverkäufer ist nicht der schnellste und hinter uns hat sich mittlerweile eine lange Schlange gebildet. Na dann prost Mahlzeit für alle, die nach uns dran sind. Wir falten das riesige Papier fünf Mal zusammen, stecken es ein und steigen wieder in unser Tuk-Tuk, denn der Startpunkt unserer Wanderung liegt noch eine kurze Fahrt entfernt.

Hier angekommen begeben wir uns auf unsere Wanderung und kommen als Erstes an einem Checkpoint vorbei an dem die Rucksäcke kontrolliert werden. Hier müssen wir erst mal unser Mikrofon* von unserer Kamera abgeben. Drohnen* darf man auch nicht mitnehmen, das wussten wir vorher, aber ein normales Mikrofon? Auf unsere Nachfrage warum, kann uns natürlich niemand eine Antwort geben. Denn die weiß keiner, wie so oft in Asien. Fotoapparate sind erlaubt, aber das passende Mikrofon für den Ton muss man abgeben.

Kopfschüttelnd stehen wir vor den Mitarbeitern. Das Mikrofon bekommen wir beim Verlassen des Parks wieder. Etwas ärgerlich, wollen wir doch filmen und haben nun die ganzen Windgeräusche mit dabei. Neben Drohne und Mikrofon muss man auch alles abgeben, was aus Plastik ist und in der Natur liegen bleiben könnte. Plastikflaschen sind erlaubt, allerdings müssen die Etiketten entfernt werden. Plastiktüten müssen zu Hause bleiben oder am Parkeingang abgeben werden. Sie werden gegen Papiertüten kostenlos ausgetauscht. Eine gute Sache!

 

Wir sind am World´s End – am Ende der Welt

Nachdem unser Mikrofon sicher bei den Parkmitarbeitern verwahrt ist, ziehen wir los. Da wir mit zu den Ersten gehören, ist der Park noch ganz leer. Der Weg führt vorbei an einer Graslandschaft, am Rand wachsen Büsche und Bäume. Unterwegs sehen wir ein Hinweisschild. Der Weg ist als Rundweg angelegt und einfach zu begehen. Unser erster Stopp ist das Mini World’s End, gleich dahinter liegt das World’s End.

Was uns dort wohl erwarten mag am Ende der Welt? Der Name klingt jedenfalls spektakulär. Ein paar Minuten später haben wir es herausgefunden. Der Weg ist nämlich gar nicht weit und so stehen wir hier am Abgrund einer Steilwand. Für Sri Lanka typisch, gibt es kein Geländer oder irgendeine andere Sicherung. Läuft man aus Versehen zu weit, endet das mit einem Sturz aus mehreren Hundert Metern Höhe in die Tiefe. Aber so weit denken wir gar nicht. Und außerdem ist es hier so, wie die Natur es gedacht hat.

Der Ausblick ist atemberaubend. In der Ferne sieht man Bergketten, die im Dunst verschwimmen. Zur anderen Seite erstreckt sich das Tal. Die kräftige Morgensonne scheint in einem warmen gelb, die Sicht ist grenzenlos weit und wir fühlen uns wirklich, wie der Name sagt – am Ende der Welt. Mittlerweile haben sich einige Besuchergruppen um uns herum eingefunden und so finden wir es an der Zeit, weiter zu gehen.

Das World’s End liegt nur einen kurzen Spaziergang über einen schmalen Weg durch das Unterholz entfernt. Und war das Small World’s End schon toll, so ist es das World’s End erst recht. Hier fällt die Steilwand knapp 900 Meter in die Tiefe ab. Ein ganz besonderes Erlebnis in schwindelerregender Höhe. Im Sonnenschein machen wir es uns gemütlich. Wie die meisten anderen packen wir unser Frühstück vom Hotel aus und schauen in die weite Ebene hinab.

 

Die Landschaft erinnert uns an Neuseeland

Schnell kommen wir mit anderen ins Gespräch. Die meisten sind für zwei bis drei Wochen auf Sri Lanka und haben ein straffes Programm, um möglichst viel aus ihrem Urlaub mitzunehmen. In solchen Momenten sind wir froh, dass wir mehr Zeit mitbringen. Dass wir nicht von einem Ort zum nächsten hetzen müssen, sondern genug Zeit haben, um auch mal irgendwo anzukommen. Zeit ist kostbar und das wird uns in solchen Gesprächen oft bewusst. Nachdem wir lange genug in der Sonne gesessen haben, beschließen wir, weiter zu gehen. Unser Weg führt uns durch eine weitere große Graslandschaft. Unser erster Gedanke – es sieht aus wie auf der Südinsel Neuseelands.

 

An einem kleinen Tümpel lassen wir die Gedanken schweifen

Wir nehmen uns viel Zeit, setzen uns zwischendurch an einen der kleinen Tümpel, die am Weg liegen, und freuen uns über die schöne Umgebung. Gedanken kommen und gehen. Gedanken an zu Hause. Gedanken an unsere früheren Reisen. Und Gedanken an das, was vor uns liegt.

Wie sehr sich unser Leben doch in dieser kurzen Zeit geändert hat. Die Zeit, in der wir den Entschluss gefasst haben, in die Welt zu ziehen und unser Leben zu verändern. Vor ein paar Monaten war es noch unvorstellbar für mich, dass wir auf einer kleinen Insel im Indischen Ozean sitzen würden, in einem Nationalpark, in dem es aussieht wie in Neuseeland. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass es so sein könnte, wie es jetzt ist. Ein schönes Gefühl, ein freudiges Gefühl und vor allem ein sehr beruhigendes Gefühl. Denn mir wird in diesem Moment eines wirklich klar – wir können unser Leben zu jeder Zeit selbst bestimmen. Eine wichtige Erkenntnis.

 

Der Nationalpark hat sich richtig gelohnt

Die vielen Besucher, die mit uns im Park sind, werden langsam weniger. Die meisten bleiben zwei bis drei Stunden, bevor sie wieder abgeholt werden und ihre Reise durch Sri Lanka weitergeht. Mit der schwindenden Besucherzahl wird es ruhig. Wir hören Bienen summen und Vögel fliegen vorbei.

Nun sind nur noch wir im Park und ein paar Sri Lanker, die erst im Nationalpark auftauchen, als die Besucherströme nachlassen. Der Weg führt uns weiter, vorbei an kleinen Flussläufen und Tümpeln und wir machen noch einen Abstecher zu den Baker’s Falls, einem berühmten kleinen Wasserfall, bis wir am Ende wieder am Startpunkt unserer Wanderung ankommen. Wir holen unser Mikrofon ab und machen uns auf die Suche nach unserem Tuk-Tuk-Fahrer.

Dieser ist nicht schwer zu finden, da wir mit die Letzten sind. Insgesamt waren wir fast sechs Stunden in den Horton Plains. Und es hat sich gelohnt! Der Tag gehört zu den schönsten Ausflügen, die wir auf Sri Lanka unternommen haben. Die Natur ist wunderschön und wir vollkommen begeistert.

Wir sind etwas später als vereinbart zurück und würden beim nächsten Mal gleich genauso viel Zeit einplanen. Natürlich ist nicht jeder so naturbegeistert wie wir und schneller unterwegs. Aber für uns war dieser Tag genau richtig, so wie er war. Richtig um die Seele baumeln zu lassen, richtig um die Ruhe mitzunehmen. Gemütlich steigen wir ins Tuk-Tuk und fahren zurück Richtung Hotel.

 


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Alle Infos zum Horton Plains Nationalpark

 


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Farina

Frühaufsteherin, Sonnenanbeterin und Weltenbummlerin. Ich fühle mich in der Natur zu Hause, liebe die Tiere und das Meer. Hier findest du mich mit einem Buch in der Hand, mit einer Kokosnuss oder gleich mit beidem. Zu meinen Leidenschaften gehören, das Reisen, gesundes Essen und fremde Orte. Ich liebe die Abwechslung, das Unterwegssein und die Veränderung. Hiervon findest du einiges auf unserem Blog.

4 Comments

  1. Antworten

    Daniela

    15. September 2018

    Wow! Richtig schöne Eindrücke von Sri Lanka und den Horton Plains. Ich war leider auch so einer der Reisenden, die nur für 3 Wochen in Sri Lanka waren und habe es damals leider nicht dorthin geschafft. Falls ich noch einmal nach Sri Lanka kommt, steht es ab sofort aber ganz oben auf meiner Liste. Es klingt einfach zu wundervoll.

    • Steffen

      7. Oktober 2018

      Hallo Daniela,
      wirklich schade, dass du den Horton Plains Nationalpark nicht geschafft hast. Der Tag dort war wunderschön und wir können jedem, der nach Sri Lanka reist, sehr empfehlen, einen Ausflug dorthin zu machen. Aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.
      Liebe Grüße, Steffen

  2. Antworten

    Pascale

    28. Oktober 2018

    Sehr beeindruckende Bilder und ein schöner Blog.
    Viele Grüße, Pascale

    • Steffen

      28. Oktober 2018

      Vielen Dank Pascale. Es freut uns, wenn dir unser Blog gefällt.
      Liebe Grüße, Steffen

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