Der Bergbauwanderweg Muttental – Wandern im Ruhrgebiet

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Das Ruhrgebiet hat eine bewegende Bergbaugeschichte. Einst berühmt für Kohle und Stahl gibt es noch immer viele Zeugen dieser Zeit. Heute nehmen wir dich mit zu dem Ort, an dem die Kohlegeschichte des Ruhrgebiets vor 450 Jahren begann – nach Witten ins Muttental.

Das wunderschöne Muttental, oder auch Muttenbachtal, ist die Wiege des Bergbaus im Ruhrgebiet. Hier wo die Steinkohleflöze zutage treten, liegt es inmitten von idyllischem Wald, grünen Wiesen und dem leise plätschernden Muttenbach. Der Bergbauwanderweg führt als Rundweg durch altes Zechengelände an verlassenen Stollen und Überresten aus dem Bergbau vorbei.

Eine malerische Landschaft, bezaubernde Natur und Zeugen des Steinkohlenbergbaus begrüßen dich und erzählen dir die Geschichte des schwarzen Goldes und der hart arbeitenden Kumpel in den damaligen Zechen. Eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit des Ruhrgebiets.

Wir haben unsere Wanderschuhe angezogen und uns auf den Weg nach Witten gemacht, hier wo noch vor einigen Jahrzehnten Kohle tief aus den Bergen zutage gefördert wurde.

 


Inhaltsverzeichnis


 

Die Wanderung

Das Muttental ist sehr einfach zu finden. Die Wanderung beginnt hinter der Zeche Nachtigall und führt über 9 Kilometer durch die wunderschöne Landschaft aus sanften Hügeln, Wald, Wiesen und Feldern und zieht sich schließlich an der Ruhr vorbei. Hier gibt es einige Klein- und Kleinstzechen zu sehen, einst waren es über 60 an der Zahl – kaum vorzustellen. Einer Sage nach, soll ein Hirtenjunge beim Schweinehüten zufällig die erste Kohle gefunden haben, nachdem sein Feuer am nächsten Morgen noch immer glühte.

Für die Wanderung solltest du etwa 2,5 Stunden Zeit einplanen. Wir haben uns jedoch für den idyllischen Weg Zeit gelassen und mehrere Pausen eingelegt. Somit waren wir gleich einige Stunden unterwegs, was sich wirklich gelohnt hat.

Höhepunkt der Wanderung ist die Schlossruine Hardenberg, die direkt an der Ruhr liegt und zum Sonnenuntergang ein herrliches Bild abgibt. Auf dem Weg gibt es einige Gasthäuser die zum Verweilen einladen. Denke aber trotzdem daran, genügend Wasser mitzunehmen, denn die Strecke ist doch relativ lang.

 

Parken und Anreise 

An der Nachtigallstraße gibt es einen großen, kostenlosen Parkplatz, von dem aus du 1,2 Kilometer bis zur Zeche Nachtigall laufen musst, vorbei am Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia. Wenn du an der Zeche Nachtigall vorbeiläufst und der Nachtigallstraße einfach weiter folgst, bist du schon im Muttental. Aber Vorsicht, der Weg ist an der ehemaligen Zeche nicht ausgeschildert und es gibt noch einen Radweg und einen Wanderweg, die beide in eine andere Richtung führen.

Bleib einfach auf der Straße, auch wenn hier kein Fußweg ist. Am besten machst du noch einen kleinen Abstecher ins Museum der Zeche und lässt dir einen kleinen Flyer mit einer Karte und Informationen zum Weg geben. Auch ein Besuch des Museums selbst ist sehr lohnenswert. mehr »»

 

Der Beginn unserer Wanderung

Wir entscheiden uns für den Parkplatz an der Nachtigallstraße. Und so trudeln wir mittags auf dem fast leeren Parkplatz ein und steigen aus dem Wagen. Die Sonne scheint und überall um uns herum blüht der Löwenzahn und Pusteblumen ragen in den Himmel. Hier am Parkplatz wartet gleich die erste Sehenswürdigkeit und ein Stück Geschichte auf uns. Denn hier hält an bestimmten Tagen die Muttenthalbahn.

Gertrud ist ihr Name und sie ist eine alte, orange Feldbahnlok, die mit ihren Personenwagen Besucher vom Parkplatz zum Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia und weiter zur Zeche Nachtigall bringt. Die Gleise liegen parallel zu denen der Ruhrtalbahn und passieren den alten Güterbahnhof Witten Bommern. Die Strecke, die die nostalgische Bahn fährt, ist nur kurz. Heute hat die alte Dame leider Ruhetag, daher beschließen wir, zu Fuß zu laufen.

Der Weg zieht sich einige Hundert Meter an der Straße vorbei und hier kannst du bereits ein kleines Stollenmundloch sehen, einen Vorgeschmack auf viele weitere, die auf dem Weg auf uns warten. Klein und unscheinbar liegt der Zugang zum Stollen in dem Berg an der Straße vor uns. Ein paar Meter weiter befinden wir uns vor dem Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia. Leider ist das Grundstück verschlossen und das Museum nicht geöffnet. Von außen können wir allerdings bereits einen guten Eindruck davon bekommen, welche alten Schätze hier aufbewahrt werden und für die Nachwelt erhalten bleiben. Bei einigen kann man den Zahn der Zeit sehen, der an ihnen genagt hat.

 

Das Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia

Das Gruben- und Feldbahnmuseum liegt auf dem alten Gelände der Zeche Theresia unterhalb des Schlosses Steinhausen. Die Zeche Theresia ist eine Zeche des frühen Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet, wurde bereits 1892 stillgelegt und das ehemalige Betriebsgebäude steht heute unter Denkmalschutz. Heute steht hier eine große Sammlung von Personen- und Förderwagen aus dem Kohlenbergbau und Besucher können sich zahlreiche Loren, Waggons, Kohlezüge und alte Loks auf dem beschaulichen Gelände ansehen.

Insgesamt besteht die Fahrzeugsammlung aus 90 Lokomotiven und etwa 200 Waggons. Ganz schön beeindruckend! In den Ausstellungsräumen kannst du einen Einblick in die Geschichte und die Gegenwart der Gruben- und Feldbahnen erhalten. Wir bestaunen die alten Schienenfahrzeuge – so gut das durch den Zaun geht – bevor wir weitergehen.

Das Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia ist nur an bestimmten Tagen für Besucher geöffnet. An den Öffnungstagen ist auch die Muttenthalbahn in Betrieb. Sie pendelt zwischen dem Parkplatz in der Nachtigallstraße über die Zeche Theresia bis zur Zeche Nachtigall und wieder zurück. Termine zu den Öffnungstagen, Fahrzeiten und Preisen der Bahn, findest du auf der Website der Muttenthalbahn. Der Eintritt in das Museum ist kostenlos.

 

Die Zeche Nachtigall und das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall

Bereits auf dem kleinen Fußweg zur Zeche Nachtigall sind wir begeistert. Ein Reh steht still vor uns auf den alten Gleisen. Dazwischen zwitschern die Vögel. Alles ist ruhig und friedvoll. Wenige Meter weiter wartet ein Graureiher auf uns, der auf einer Wiese nach Beute Ausschau hält.

Plötzlich schnellt er nach vorne und pickt mit seinem Schnabel eine große Blindschleiche von der Wiese. Mit gemischten Gefühlen sehen wir zu, wie der Reiher in einiger Entfernung die zappelnde Echse einfach hinunterschluckt. Wir lassen den Reiher zurück und wenig später taucht die Zeche Nachtigall vor uns auf. Hier befindet sich die Endstation der Muttenthalbahn. Auch die Anlegestelle der MS Schwalbe II ist nicht weit entfernt.

Auf dem alten Zechengelände der Zeche Nachtigall befindet sich das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall und ein Besucherbergwerk, in welchem du im 130 Meter langen Nachtigallstollen unter Tage gehen kannst. Ziemlich cool! Im Eingang erwarten uns einige große Infotafeln. Hier wurde bereits vor 300 Jahren Kohle gefördert und du kannst mit Grubenlampe und Schutzhelm ausgestattet durch den niedrigen Stollen laufen und ein echtes Steinkohleflöz ansehen.

Ein wahnsinnig spannender Ausflug, den wir unbedingt noch machen wollen. Aber nicht heute, denn wir möchten das schöne Wetter ausnutzen und der eigentliche Start des Wanderwegs liegt ja noch vor uns. Die Zeche Nachtigall gehört übrigens zu einem der 25 Ankerpunkte der Route der Industriekultur. Diese verbindet als Themenroute verschiedene Industriedenkmäler miteinander, die von besonderer historischer Bedeutung für das Ruhrgebiets sind.

Öffnungszeiten, Preise und Termine für Touren und Stollenführungen findest du auf der Website des LWL-Industriemuseums.


Weitere Informationen zur Industriekultur im Ruhrgebiet und Besonderheiten der Region findest du in unserem Blogbeitrag:


► Ruhrgebietsflair – zwischen Bergbauromantik und Industriekultur


 

Der Bergbauwanderweg Muttental beginnt hinter der Zeche Nachtigall

Das Muttental beginnt hinter der Zeche Nachtigall. Die Nachtigallstraße ist zur Muttentalstraße geworden. Wir laufen die Straße entlang und es ist ziemlich warm und sonnig. Die letzten Häuser bleiben hinter uns zurück und vor uns liegt eine geteerte Straße, die mitten durch das Grün führt. Es ist herrlich still und um uns herum wachsen hohe Bäume neben dichten Wiesen und grünen Hügeln. Die kleine Asphaltstraße soll später zu einem Waldweg werden, aber zunächst laufen wir über den gut befestigten Straßenboden.

 

Sehenswertes auf dem Bergbauwanderweg Muttental

Der Bergbauwanderweg führt vorbei an 31 Stationen. Hier gibt es zahlreiche Stollenmundlöcher, verschiedene Zechen, Pingen, Schächte und Stollen sowie eine Haspelanlage und einen Flözaufschluss zu entdecken. An den einzelnen Stationen stehen ausführliche Infotafeln. Der erste Halt führt uns zum Steinbruch Dünkelberg. Die hohe Felswand ist Teil des Geoparks Ruhrgebiet, denn hier kann man die verschiedenen Gesteinsschichten sehen, die sich im Laufe der Jahrtausende gebildet haben.

An der beeindruckenden Felswand kannst du ein Kohleflöz sehen. Hier ist auch das Mundloch des Besucherbergwerks Nachtigallstollen zu sehen, von dem aus du in den langen Stollen hineinschauen kannst. Wir hätten nun doch gerne eine Führung unter Tage mitgemacht, jetzt als uns die kühle Luft aus dem Berginneren entgegenschlägt. Vor dem Stolleneingang setzen wir uns in die Sonne und schauen den kleinen Eidechsen zu, die sich zwischen dem Laub tummeln.

 

Wir biegen ab zum Schloss Steinhausen

Nachdem wir die Infotafel überflogen haben, laufen wir weiter. Es ist herrlich still und die Vögel zwitschern um uns herum. Links führt ein Weg zum Schloss Steinhausen und das Restaurant wirbt mit einem Aushang. Wir haben Hunger und so beschließen wir, einen kleinen Abstecher zu machen. Ziemlich blöd von uns, denn vom Parkplatz aus wäre der Weg zum Schloss Steinhausen viel kürzer gewesen.

Das Schloss liegt nur eine kurze Strecke von dort entfernt. So müssen wir nun einen relativ langen Weg zurücklegen. Es geht vorbei an Feldern, die uns an die Reisfelder auf Bali erinnern, so üppig grün sind sie. Auf einer kleinen Mauer sitzen Mauereidechsen auf den warmen Steinen. Alles ist ruhig und friedvoll.

 

Skulpturenpark am Schloss Steinhausen

Am Schloss angekommen, sehen wir zuerst die Skulpturen links neben uns. Hier gibt es einen Skulpturenpark, der sich in einem Garten zwischen dichten Bäumen befindet. Ein paar Meter weiter bleiben wir jedoch staunend stehen. Denn direkt vor dem alten Schloss stehen Hunderte von Skulpturen und Figuren in einem kleinen Garten. Bunt und modern aus altem Eisen, Blechen und Stein ziehen sie uns in ihren Bann.

Dahinter das alte Steingebäude des Schlosses mit seinem schönen Turm. Ein herrlicher Anblick. In dem kleinen Laden des Schlosses erfahren wir, dass es sich um Shona-Kunst handelt, Kunst aus Simbabwe, die hier verkauft wird. Passend dazu arbeitet ein afrikanischer Bildhauer draußen im Garten an einer riesigen Giraffe.

Das kleine, mittelalterliche Schloss sieht ziemlich romantisch aus. Jedenfalls der ältere Teil mit seiner steinernen Fassade. Der neu angebaute Teil im Stil des Klassizismus ist moderner. In ihm befindet sich das Restaurant. Leider ist heute geschlossene Gesellschaft und so müssen wir ohne Essen umkehren.

 

Der Stollen Turteltaube liegt zwischen Wald und Wiese

Unterwegs werden wir von einem Pferd überholt. Das Klackern der Hufe hat etwas Beruhigendes. Die Wärme auf unserer Haut tut ihr Übriges. Bald sind wir wieder am Bergbauweg angekommen und das nächste Mundloch eines Zechenstollens lässt nicht lange auf sich warten.

Hier ist der Stollen Turteltaube. Schlägel und Eisen erwarten uns an dem durch ein Gitter verschlossenen Zugang, das Symbol für den Bergbau. Man kann ein wenig ins Stolleninnere schauen, aber viel sieht man nicht. Trotzdem sehr einprägsam, wenn man sich vorstellt, dass hier damals Bergleute hart für Brot und Lohn gearbeitet haben.

 

Das Bethaus – ehemaliges Gebetsgebäude und Schmiede, heute Gaststätte und Museum

Das Muttental ist ein beliebter Ausflugsort für Hundebesitzer und so kommen uns mittlerweile viele der Vierbeiner entgegen. Von Weiten sehen wir bereits unseren nächsten Halt – das Bethaus der Bergleute. Hier wurde in der Stube Werkzeug geschmiedet, während die Bergleute im Obergeschoss zum Gebet zusammensaßen und der Schichtführer das Zusammenkommen nutzte, um die Anwesenheit der Bergleute für die Arbeit festzustellen. Als wir zum Bethaus laufen sind gerade zwei Mitarbeiter dabei, links des Weges einen Pfad freizulegen. Hier führte damals die Muttenthalbahn entlang, als sie noch die Kohle aus dem Tal beförderte.

Wir stehen vor dem Bethaus und werden von dem Schmied und Gastwirt mit einem herzlichen „Glück auf!“, begrüßt, dem alten Gruß der Bergleute. Er erklärt uns, dass wir uns alles anschauen und auch etwas im Gasthaus essen können. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Zunächst besichtigen wir die kleine Schmiede, in der Informationstafeln aushängen und auch Vorführungen gemacht werden. Anschließend setzen wir uns auf die sonnige Terrasse der Wirtsstube. Eine Erbsensuppe später sind wir rundum zufrieden und wieder gestärkt für die weitere Wanderung.

 

Erinnerungen an den Bergbau am Zechenhaus Herberholz

Zu unserer Rechten taucht die Abraumhalde der ehemaligen Zeche Hermann als kleiner, grüner Berg auf, von der heute nur noch die Halde geblieben ist. Dahinter befindet sich das Zechenhaus Herberholz, ein altes Steigerhaus. Es liegt am Schacht Konstanz, der mittlerweile natürlich verschlossen ist. Daneben finden sich allerlei Erinnerungsstücke an die Bergbauzeit. Alte Kohleloren, eine kleine Seilscheibe und allerlei Ausrüstung aus dem Bergbau kannst du dir hier anschauen.

Dann führt uns der Weg weiter zu einer alten Haspelanlage. Die kleine Hütte steht unscheinbar am Wegesrand. Wozu sie gut ist, erfahren wir erst, nachdem wir uns die Information dazu durchlesen. Hier wurde Kohle an einem Förderseil aus dem darunter liegenden Schacht nach oben transportiert. Über eine Seilwinde wurden hier bis zu 120 kg Kohle je Fördergefäß in die Höhe gezogen. Wir blicken uns um. So idyllisch wie es hier um uns herum ist, umso beeindruckender ist, was sich unter unseren Füßen abgespielt haben muss.

Wir wollten jedenfalls nicht Tag ein Tag aus in einem engen Stollen im Dunkeln unter der Erde bewaffnet mit Schlägel und Bergeisen die Kohle aus den Wänden hauen. Was hier Tag für Tag Realität war, ist schwer vorzustellen. Aber so langsam dämmert uns, dass vieles, was wir über den Bergbau wussten, anders ist, als wir es uns immer gedacht haben. 

 

Einzigartige Stollen liegen mit ihren Mundlöchern in den Hängen

Wir laufen weiter, die Wiese zu unserer Rechten und der Wald mit Vogelgezwitscher zu unserer Linken. Weitere Pferde tauchen auf dem Weg vor uns auf, denn hier im Wald gibt es auch Reitwege. Wir passieren die Verladeanlage der Zeche Jupiter und mehrere Stollen, darunter der Stollen Stettin, die Stollenzeche Maximus und den Stollen Fortuna. Jeder Stolleneingang sieht einzigartig aus und ist sehenswert. Alle sind mit einem Gitter verschlossen und viele im Innern nach ein bis zwei Metern zugemauert.

 

Mittlerweile ist die Straße unter unseren Füßen einem Waldweg gewichen. Wir laufen durch die hohen Bäume und hangeln uns von Informationstafel zu Informationstafel. Zum Glück haben wir eine Karte des Bergbauwanderwegs aus dem Museum der Zeche Nachtigall mitgenommen, sodass wir uns leicht zurechtfinden. Spaziergänger mit Hunden laufen an uns vorbei und wir entdecken Mäuse und Vögel im Unterholz sitzen. Verträumt liegt eine Wiese mit Wildblumen neben uns und der kleine Muttenbach schlängelt sich malerisch hindurch.

Irgendwie haben wir etwas getrödelt bei dem schönen Wetter und mit einem Blick auf die Uhr sollten wir uns etwas mehr beeilen. Schließlich liegt noch ein gutes Stück des Wegs vor uns.

 

Wir passieren die Zeche Renate und einen Dreibaum – mittlerweile ist es spät

Nach einem kurzen Marsch durch den Wald erreichen wir die Zeche Renate und kurz danach einen Dreibaum, der zum Heben von Lasten benutzt wurde. Da es bereits sehr spät ist und wir noch ein gutes Stück des Wegs zurücklegen müssen, entscheiden wir uns, eine Abkürzung zu nehmen und das Göpelhaus sowie die Göpelschächte auszulassen. Wir haben uns doch etwas mit der Länge der Wanderung verschätzt. Und da wir länger nicht Wandern waren, merken wir mittlerweile auch unsere Beine.

 

Verschnaufpause in der Sonne am Schacht Margarethe

Unseren nächsten Fotostopp legen wir am Schacht Margarethe ein, nachdem wir eine lustige Hundetrainingsgruppe auf den letzten Metern des Waldes passiert haben, die uns als Übungsobjekte mit in ihr Training eingebaut haben. Der Großteil der Hunde bleibt lieb sitzen, während ein bis zwei hinter uns herlaufen wollen.

Zum Glück haben alle schon gegessen. Vom Parkplatz des Waldes treten wir hinaus auf das Feld mit Blick auf den rekonstruierten Förderturm und das Maschinenhaus. Hier findet sich am Waldrand ein kleiner Rastplatz mit Bänken und Blick über die Felder. Die Nachmittagssonne taucht alles in ein hübsches Licht und kleine Gänseblümchen blühen rings um den Förderturm.

 

Schottische Hochlandrinder begrüßen uns

Von hier aus führt uns der Weg weiter die Straße entlang und kurz darauf zu einer Abbiegung, an der weidende, schottische Hochlandrinder hinter einem Zaun stehen. Die zotteligen Rinder werfen uns neugierige Blicke zu, während wir vorbeigehen. Kurze Zeit später stehen wir wieder in einem wunderschönen Waldstück. Hier führt der Weg abwärts zur Ruhr. Allerdings welcher? An einer Gabelung bleiben wir stehen und wären fast falsch gelaufen.

Ein Hinweisschild zeigt Richtung Burgruine Hardenstein. Aber ist das der richtige Weg? Er sieht so klein und unscheinbar aus wie er vom Hauptweg abgeht. Wir studieren noch einmal unsere Karte. Tatsächlich, wir müssen in den kleinen Durchgang abbiegen, der den Waldhang nach unten führt und nicht dem folgen, von dem wir dachten, es wäre der Hauptweg.

 

Weitere Stollen folgen im Naturschutzgebiet Hardenstein

Wir spazieren den Trampelpfad abwärts. Die Sonne scheint durch das Geäst und malt Muster auf den Waldboden. Kleine Mäuse rascheln in den Blättern neben uns. Ich hätte nicht gedacht, dass es auf dem Bergbauwanderweg so viele von ihnen gibt. Nun sind wir bereits im Naturschutzgebiet Hardenstein, das die gleichnamige Burg umgibt, und ein Teil des Bergbauwanderwegs verläuft durch dieses Gebiet.

Wir kommen an der Zeche Orion, dem Stollen Reiger und am Pingenfeld Carthäuserloch vorbei. Pingen sind grubenartige Vertiefungen, die beim oberflächlichen Tagebau der Kohle entstanden und heute wieder bewaldet sind. Interessant ist auch der St. Johannes Erbstollen, der kurz darauf folgt. Er war der wichtigste Stollen in der Region. Ein Erbstollen diente für alle umliegenden Bergwerke der Gegend zur Entwässerung der Stollen und trug gleichzeitig zur Frischluftzufuhr bei. Ein Erbstollen erbte also quasi alle Abwässer der höherliegenden Stollen.

 

Friedvoll liegt Burg Hardenstein vor uns

Am Fuße des Berges lichtet sich der Wald und plötzlich liegt sie da, die Burg Hardenstein. Das Gemäuer der Burgruine erhebt sich imposant und malerisch vor dem spätnachmittäglichen Himmel und der Ruhr auf einer Lichtung. Die Burg ist ein altes Herrenhaus und diente als herrschaftlicher Wohnsitz. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Wir treten durch die Toranlage der breiten Umfassungsmauer und laufen über die Grasfläche auf die Ruine zu. Dies hier ist Geschichte zum Anfassen. Zwei Rundtürme ragen beeindruckend in den Himmel. Noch heute kannst du Teile der Saalkammer, den Grundriss der Kellerräume und einen Kamin sehen. Wir wandern zwischen den Mauern umher und halten mit Blick auf die malerische Ruhr inne.

Nicht weit von hier bringt die Ruhrtal-Fähre Wanderer und Radfahrer auf die gegenüberliegende Flussseite. Die kurze Überfahrt kostet nichts, aber eine Spende ist erwünscht. Auf der anderen Seite findest du das königliche Schleusenwärterhaus, das letzte erhaltene von 14 Schleusenwärterhäusern der Ruhr. Das alte Fachwerkhaus ist ein beliebter Rastplatz und hier gibt es Gegrilltes, Eintöpfe, Kaffee und Kuchen und kalte Getränke.

 

Wir machen einen letzten Stopp an der Nachtigallbrücke

Weil es schon Abend wird, beschließen wir, weiterzulaufen. Der Rückweg ist von hier aus zwar noch ein Stück, aber verglichen mit dem Rest der Wanderung nicht mehr allzu weit. Wir passieren den Vereinigungsstollen, den Nachkriegsstollen und die Zeche Martha. Dann haben wir es geschafft! Wir sind zurück an der Zeche Nachtigall. Unsere Füße tun weh und wir freuen uns, dass der Parkplatz nun nicht mehr weit ist. Zurück an der Zeche Nachtigall biegen wir trotzdem noch zur Nachtigallbrücke ab, die sich über die Ruhr erstreckt.

Wunderschön ist der Blick über das Wasser, auf dem sich die untergehende Sonne spiegelt. Eine tolle Wanderung liegt hinter uns mit vielen fantastischen Eindrücken von der hübschen und idyllischen Natur im Muttental. Ein wenig war unsere Wanderung wie eine Schnitzeljagd, bei der es viel Spaß gemacht hat die einzelnen Stationen des Bergbaus zu suchen. Hier am Fluss findet sie den richtigen Ausklang – verträumt, malerisch und romantisch. Wir bleiben eine ganze Zeit hier stehen und betrachten, wie die Wellen an das Ufer schwappen. Dann treten wir den Rückweg zum Auto an.

 

Unser Fazit zum Bergbauwanderweg Muttental

Der Bergbauwanderweg im Muttental ist ein abwechslungsreicher Wanderweg, der auf vielen interessanten Stationen anschaulich die Geschichte des Bergbaus erzählt. Als Naturliebhaber findest du hier eine zauberhaft beschauliche Landschaft mit viel Ruhe und Vogelgezwitscher. Das Tal ist leicht zu finden, wenn du weißt, dass du nach der Zeche Nachtigall einfach der Straße folgen muss.

Es empfiehlt sich, eine Karte dabei zu haben, um keine Stationen zu verpassen und auf dem Weg zu bleiben. Möchtest du nicht den kompletten Wanderweg gehen, gibt es auf dem Rundweg Abkürzungen. Auf jeden Fall solltest du bei der Ruine Hardenstein vorbeischauen und natürlich im Schloss Steinhausen, falls du Hunger hast oder dir den Skulpturenpark ansehen möchtest. Wir sind jedenfalls sehr begeistert davon, dass es so schöne und gleichzeitig geschichtsträchtige Wanderwege durch Wald und Wiesen im Ruhrgebiet gibt.

 

Wanderst du gerne oder kennst du das Muttental vielleicht schon? Falls du noch andere schöne Wanderwege im Ruhrgebiet empfehlen kannst, lass uns gerne einen Kommentar da.

 


Transparenz: Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Ruhrtourismus entstanden.

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Farina

Frühaufsteherin, Sonnenanbeterin und Weltenbummlerin. Ich fühle mich in der Natur zu Hause, liebe die Tiere und das Meer. Hier findest du mich mit einem Buch in der Hand, mit einer Kokosnuss oder gleich mit beidem. Zu meinen Leidenschaften gehören, das Reisen, gesundes Essen und fremde Orte. Ich liebe die Abwechslung, das Unterwegssein und die Veränderung. Hiervon findest du einiges auf unserem Blog.

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